{"id":10688,"date":"2021-05-23T20:30:29","date_gmt":"2021-05-23T18:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=10688"},"modified":"2021-05-23T20:30:29","modified_gmt":"2021-05-23T18:30:29","slug":"kuenstliche-intelligenz-in-mittelstaedten-mittendrin-oder-aussen-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.ea-rlp.de\/index.php\/2021\/05\/23\/kuenstliche-intelligenz-in-mittelstaedten-mittendrin-oder-aussen-vor\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz in Mittelst\u00e4dten \u2013 mittendrin oder au\u00dfen vor?"},"content":{"rendered":"\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) ist in einer sehr fr\u00fchen Phase in der kommunalen Praxis von Mittelst\u00e4dten. So lautet das Ergebnis der Studie \u201eKI in Mittelst\u00e4dten\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gef\u00f6rdert von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, haben Autoren vom\u00a0Fachgebiet Stadtsoziologie der TU Kaiserslautern, vom Deutsche Forschungszentrum f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz (DFKI) und vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Experimentelles Software Engineering (IESE) in der Studie unter anderem Interviews mit kommunalen Mitarbeitern und Anbietern von KI-Dienstleistungen ausgewertet. Die Studie wurde im Mai 2021 ver\u00f6ffentlicht und umfasst 130 Seiten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Studie-KI-in-Mittelstaedten-April-2021-final.pdf?x63384\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/KI-Studie-Titel-mit-Schatten-1024x614.jpg\" alt=\"Studie: K\u00fcnstliche Intelligenz in Mittelst\u00e4dten.\" class=\"wp-image-10692\"\/><\/a><figcaption>Studie: K\u00fcnstliche Intelligenz in Mittelst\u00e4dten.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Studie-KI-in-Mittelstaedten-April-2021-final.pdf\">Studie KI in Mittelst\u00e4dten (PDF, 130 Seiten, 15,8 MB)<\/a><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Studie-KI-in-Mittelstaedten-April-2021-final.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Die Studie wurde 2020 erstellt, um Hindernisse bei der digitalen Transformation in Politik und Verwaltung zu benennen, zu identifizieren, welche funktionierenden Prozesse bereits etabliert sind, und wie Unterschiede im Einsatz neuer Technologien im St\u00e4dtevergleich erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Fragen waren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Welche Kompetenzen und Stellen sind in den Rath\u00e4usern von Mittelst\u00e4dten verf\u00fcgbar, um die digitale Transformation zu gestalten? Wie sind die Prozesse gestaltet? Wie sehen Personalstrategien f\u00fcr die Digitalisierung der Verwaltung aus?<\/li><li>Gibt es nationale und internationale kreative Beispiele von KI-Nutzungsm\u00f6glichkeiten und Vorgehensweisen?<\/li><li>Gibt es Unterschiede in der Nachfrage nach bestimmten Diensten, Beratungen, Kompetenzen, Infrastrukturen zwischen Gro\u00dfst\u00e4dten und Mittelst\u00e4dten, insbesondere kleinen Mittelst\u00e4dten?<\/li><li>Kann das Land eine relevante Rolle zur Unterst\u00fctzung von St\u00e4dten und Gemeinden einnehmen (zum Beispiel, wenn die vom Bund angek\u00fcndigte Unterst\u00fctzung zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes ausbleibt)?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mittelst\u00e4dte<\/h2>\n\n\n\n<p>Mittelst\u00e4dte sind neben den Kleinst\u00e4dten typische St\u00e4dte des bundesdeutschen Siedlungssystems. Es gibt dabei lediglich eine quantitative Bestimmung von Mittelst\u00e4dten, die eine Spanne von 20.000 bis 100.000 Einwohner umfasst. Ein Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung lebt in Mittelst\u00e4dten, in Rheinland-Pfalz sind es rund 720.000 Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den&nbsp;<strong>Organisationsstrukturen<\/strong>&nbsp;zeigte sich, dass es in allen Verwaltungen kompetente Ansprechpartner gibt, h\u00e4ufig in einer leitenden Position angegliedert am Hauptamt\/Hauptabteilung, die Digitalisierungsprozesse koordinieren. In mehreren Kommunen wurde die Stelle innerhalb der letzten zwei Jahre neu geschaffen und neue Stellen sind ausgeschrieben. \u00dcberwiegend liegt ein verwaltungsinterner Karriereweg vor und Digitalisierung ist meist nicht die einzige Arbeitsaufgabe. Maximal ist der Bereich mit zwei Personen besetzt. Es gibt verschiedene Vernetzungsangebote, von der alle befragten Kommunen mindestens eines nutzen. Einige Kommunen sind Teil des \u201eInterkommunalen Netzwerks Digitale Stadt RLP\u201c (IKONE DS).<\/p>\n\n\n\n<p>Als&nbsp;<strong>technische Basis<\/strong>&nbsp;verwenden die meisten Verwaltungen eine Windows-Server-Umgebung mit Microsoft-Office-Produkten. Eigenentwicklungen und Open-Source-Produkte sind selten anzutreffen, in der Regel werden Anwendungen von externen Anbietern eingekauft und dann durch die IT-Abteilung an die Bed\u00fcrfnisse der Verwaltung angepasst. Fachbereiche nutzen verschiedene Fachverfahren angepasst an ihre Ausrichtung. Das Portal rlpDirekt wird von mehreren Kommunen f\u00fcr E-Governance-Services genutzt. Nutzungsszenarien mit KI sind teilweise bekannt, der konkrete Einsatz von KI ist jedoch noch nicht in Planung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schwerpunktthema<\/strong>&nbsp;in den Digitalisierungsvorhaben der Mittelst\u00e4dte ist die Einf\u00fchrung des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Als Marker des aktuellen Stands wurde die Implementierung und Nutzung eines DMSs (Datenmanagementsystem) identifiziert, das als Basis f\u00fcr weitere Digitalisierungsma\u00dfnahmen zu bewerten ist. Ansto\u00df und Initiative f\u00fcr Projekte erfolgt seitens verschiedener Akteure, zum Beispiel durch gesetzliche Vorgaben, andere Fachabteilungen, (Ober)B\u00fcrgermeister oder Netzwerke. Es gibt kaum Projekte innerhalb der Verwaltungen, die \u00fcber F\u00f6rdermittel finanziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Verwaltungen verf\u00fcgen nicht \u00fcber&nbsp;<strong>Digitalisierungsstrategien<\/strong>; vereinzelt liegt eine Meilensteinplanung vor. Orientierung geben die Haushaltspl\u00e4ne, die sich \u00fcber ein Kalenderjahr erstrecken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesetzliche Vorgaben<\/strong>&nbsp;erleichtern die Durchf\u00fchrung von Digitalisierungsprojekten, da sie dann im Haushaltsplan mit eingeplant und finanziert werden m\u00fcssen. \u201eFreiwillige\u201c Projekte werden aus Kostengr\u00fcnden oft aufgeschoben. Kleinere Kommunen rechnen bei der Umsetzung des OZGs vor allem mit Unterst\u00fctzung durch eine IT-Infrastruktur des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle befragten Kommunen sehen den Prozess der Verwaltungsdigitalisierung nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Mehrwert<\/strong>: Digitalisierung und KI vereinfachen und beschleunigen Arbeitsabl\u00e4ufe, schaffen mehr Transparenz und weniger Redundanz in den T\u00e4tigkeiten. Somit bleiben mehr Kapazit\u00e4ten f\u00fcr komplexere Aufgaben und die Verwaltung wird insgesamt verschlankt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herausforderungen<\/strong>&nbsp;sehen die Interviewpartner im Bereich der Datensicherheit und der Durchsetzung des Datenschutzes. Bedenken existieren im Kontext der Transparenz, die zu mehr Kontrolle und \u00dcberwachung f\u00fchren kann. Ferner darf die \u201eDigital Divide\u201c nicht versch\u00e4rft werden. Es wird nicht damit gerechnet, dass die Digitalisierung Einsparungen im finanziellen Sinne bedeutet, da die Folgekosten der Technik miteingerechnet werden m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Covid-19-Pandemie<\/strong>&nbsp;wirkt sich sowohl f\u00f6rderlich als auch hemmend auf die Digitalisierungsprozesse der Verwaltungen in Mittelst\u00e4dten aus. Einerseits sind Home-Office, Online-Konferenzen und eine entsprechende digitale Infrastruktur selbstverst\u00e4ndlich geworden, andererseits wurden Projekte verschoben und vor allem Vernetzungstreffen sind ausgefallen. Welche finanziellen Folgen die Covid-19-Pandemie auf die kommunalen Haushalte und Mittel f\u00fcr die Digitalisierung hat, wird sich noch zeigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anbieter von KI-Diensten<\/h2>\n\n\n\n<p>Der&nbsp;<strong>Markt kommunaler KI-Dienste und Dienstleistungen<\/strong>&nbsp;gewinnt zusehends an Relevanz. Zum aktuellen Zeitpunkt ist er zwar weder von einer \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Anzahl von Anbietern noch von einer un\u00fcberschaubaren Menge an Produkten gekennzeichnet \u2013 nichtsdestotrotz ist die Lage hinsichtlich der aktiven Akteure wie auch ihrer Angebote momentan noch recht un\u00fcbersichtlich. Daher bestand das Ziel darin, einen Beitrag zur Identifikation von relevanten Anbietern, deren Kompetenzen und bisher gemachten Erfahrungen zu leisten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zweck wurde eine Recherche durchgef\u00fchrt, die&nbsp;<strong>31 Anbieter<\/strong>&nbsp;von KI-bezogenen L\u00f6sungen und Dienstleistungen f\u00fcr den kommunalen Markt zutage f\u00f6rderte. Davon machen KMU mit KI-Startups, Kleinbetrieben und einem mittelst\u00e4ndischen KI-Entwickler den gr\u00f6\u00dften Anteil aus, gefolgt von Gro\u00dfunternehmen aus dem Bereich kommunaler IT-Produkte und -Dienstleistungen. Zu erwarten ist allerdings, dass auch gro\u00dfe Consulting- und L\u00f6sungsh\u00e4user in Zukunft verst\u00e4rkt den Themenbereich kommunaler KI bedienen werden. Die kleinste, aber deswegen nicht weniger relevante Gruppe besteht aus international t\u00e4tigen Technologiekonzernen. Nicht nur der gro\u00dfe Anteil junger Kleinunternehmen verdeutlicht, dass es sich um einen dynamischen Markt handelt, weshalb der eingangs vorgestellte \u00dcberblick keine Vollst\u00e4ndigkeit beansprucht und es die Liste weiter fortzuschreiben gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Momentan erh\u00e4ltliche L\u00f6sungen basieren vorrangig auf verschiedenen Formen des maschinellen Lernens. Die wichtigsten Anwendungsfelder, die aktuell abgedeckt werden, sind die Bereiche&nbsp;<strong>B\u00fcrgerdienste und Kommunikation, verwaltungsinterne Prozessoptimierung sowie Dienste f\u00fcr kommunale Aufgabenbereiche wie Infrastruktur (Maintenance, Energie) und Sicherheit<\/strong>. Dabei wurden konkrete Dienste nicht unbedingt direkt f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Sektor entwickelt, sondern es handelt sich h\u00e4ufig um abgewandelte und angepasste Tools aus dem Business- bzw. Corporate-Segment. Beiden Marktsegmenten ist jedoch gemeinsam, dass KI-L\u00f6sungen in der Regel keine schl\u00fcsselfertigen Produkte darstellen. Vielmehr m\u00fcssen sie zumeist individuell auf die Gegebenheiten der Kunden angepasst werden, was mit hohen Kosten f\u00fcr das Customizing verbunden ist und ein gewisses Ma\u00df an verf\u00fcgbaren Ressourcen voraussetzt. Sowohl bei der technischen Konzeption von L\u00f6sungen als auch bei der f\u00fcr Anschaffung und Betrieb notwendigen Infrastruktur- und Ressourcenausstattung stehen mittlere und kleinere Kommunen weniger im Fokus der Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch k\u00f6nnen KI-Technologien nicht pauschal als unpassend f\u00fcr mittlere und kleinere Kommunen bezeichnet werden. Anwendungen und stark spezialisierte L\u00f6sungen, die ohne gro\u00dfen Aufwand bez\u00fcglich der Integration in umfassende Dateninfrastrukturen auskommen, sind zwar noch selten, daf\u00fcr aber auch f\u00fcr kleinere kommunale Einheiten geeignet. Was umfassendere KI-L\u00f6sungen angeht, ist die Lage bez\u00fcglich der Skalierbarkeit teils ambivalent: Auf der einen Seite stehen vergleichsweise komplexe Softwaretechnologien, die Fragen der Ressourcenintensit\u00e4t, ungleich verteilten Wissens sowie eines geringen Grads an Standardisierung bez\u00fcglich Dateninfrastrukturen und Verfahren nach sich ziehen. Andererseits sind die grundlegenden Leistungen, die von Kommunen und ihren Verwaltungen auf den jeweiligen Ebenen zu erbringen sind, und die damit verbundenen Prozesse die gleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles deutet aktuell darauf hin, dass es bez\u00fcglich des Einsatzes von KI-Technologien in kommunalen Kontexten zu einer&nbsp;<strong>Trickle-down-Entwicklung<\/strong>&nbsp;kommen kann, wie sie beispielsweise auch im Smart-City-Bereich stattfindet. L\u00f6sungen werden zun\u00e4chst auf gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Einheiten zugeschnitten und dort eingesetzt. Nach und nach werden diese dann auch \u2013 wo sinnvoll \u2013 an die Herausforderungen und strukturellen Bedingungen kleinerer Einheiten angepasst. Eine wesentliche Bedeutung kommt Standardisierungsma\u00dfnahmen zu: Einerseits gilt es, auf Anbieterseite die Komplexit\u00e4t der Implementierung von Anwendungen so gering wie m\u00f6glich zu halten. Andererseits wird KI in Kommunen durch standardisierte Verfahren und Dateninfrastrukturen sowohl kosteng\u00fcnstiger als auch einfacher handhabbar. Grundlegend ist bei alledem aber die l\u00f6sungsbezogene Anwendung von KI-Technologien mit konkreten Mehrwerten und nicht die Technologie als Selbstzweck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) ist in einer sehr fr\u00fchen Phase in der kommunalen Praxis von Mittelst\u00e4dten. 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