{"id":3913,"date":"2019-09-12T15:54:18","date_gmt":"2019-09-12T13:54:18","guid":{"rendered":"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3913"},"modified":"2019-09-12T15:54:18","modified_gmt":"2019-09-12T13:54:18","slug":"fuenf-beispiele-chancen-durch-ki-in-landwirtschaft-gesundheit-ehrenamt-tourismus-und-mobilitaet-in-rlp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.ea-rlp.de\/index.php\/2019\/09\/12\/fuenf-beispiele-chancen-durch-ki-in-landwirtschaft-gesundheit-ehrenamt-tourismus-und-mobilitaet-in-rlp\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Beispiele: Chancen durch KI in Landwirtschaft, Gesundheit, Ehrenamt, Tourismus und Mobilit\u00e4t in RLP"},"content":{"rendered":"\n<p>Wo liegen die Potenziale von k\u00fcnstlicher Intelligenz und Digitalisierung mit besonderem Blick auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz? Die KI-Studie benennt f\u00fcnf Beispiele: Landwirtschaft, Gesundheit, Ehrenamt, Tourismus und Mobilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\" style=\"padding-left: 45px; padding-right: 45px;\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3841\" style=\"width: 150px; float:right; margin-left: 45px;\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/KI-Studie-Titelseite.jpg\" alt=\"\"><\/a><em>Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der \u201eGutachterlichen Stellungnahme zu den Auswirkungen k\u00fcnstlicher Systeme und der Digitalisierung auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz 2050\u201c. Die gesamte Studie steht unter <a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/earlpdigital2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>ea-rlp.de\/earlpdigital2019<\/b><\/a> zum Download als <a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>PDF<\/b> (88 Seiten, 18 MB)<\/a> bereit.<\/em><br><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3915\"><b>Auszug 1<\/b> \u2013 K\u00fcnstliche Intelligenz: Konzepte und Technologien<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3913\"><b>Auszug 2<\/b> \u2013 F\u00fcnf Beispiele: Chancen durch KI in Landwirtschaft, Gesundheit, Ehrenamt, Tourismus und Mobilit\u00e4t in RLP<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3911\"><b>Auszug 3<\/b> \u2013 Szenarien f\u00fcr Rheinland-Pfalz: Zwischen Dystopie und Utopie<\/a><br>\n<br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/earlpdigital2019\">Zusammenfassung<\/a><br><br>\n<div class=\"wp-block-file aligncenter\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\">Studie: Auswirkungen K\u00fcnstliche Systeme 2019<\/a><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\" style=\"padding-left: 45px; padding-right: 45px;\"><b>Autorinnen und Autoren:<\/b> Matthias Berg (Fraunhofer IESE), Christoph Giehl (Stadtsoziologie TU Kaiserslautern), Matthias Koch (Fraunhofer IESE), Martin Memmel (DFKI), Annette Spellerberg (Leitung; Stadtsoziologie TU Kaiserslautern), Ricarda Walter (Stadtsoziologie TU Kaiserslautern); unter Mitarbeit von: Steffen Hess, Andreas Jedlitschka, Michael Klaes, Dieter Lerner, Adam Trendowicz (Fraunhofer IESE).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Potenziale im Bereich Landwirtschaft am Beispiel der Planungsregion Rheinpfalz <\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/karsten-wurth-karsten-wuerth-49aQgxkOrO4-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3965\" width=\"512\" height=\"342\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Unsplash)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Digitalisierung und KI in der Landwirtschaft versprechen Ressourcen- und Arbeitseinspa\u00adrungen bei gleichzeitig h\u00f6heren Ertr\u00e4gen. Diesen Potenzialen kommt angesichts der Her\u00adausforderungen in den kommenden Jahren eine hohe Bedeutung zu, welche laut der Deut\u00adschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in der weltweit wachsenden Bev\u00f6lkerung inklu\u00adsive deren Versorgung und damit zusammenh\u00e4ngend in der Versch\u00e4rfung des internatio\u00adnalen Wirtschaftsraums f\u00fcr Nahrungsmittel liegen. Damit die deutsche Landwirtschaft angesichts solcher Entwicklungen wettbewerbsf\u00e4hig bleibt, muss die Landwirtschaft 4.0 aus\u00adgebaut werden, wof\u00fcr als Grundvoraussetzung ein stabiles, fl\u00e4chendeckendes Breitband\u00adnetz existieren muss (Bayerisches landwirtschaftliches Wochenblatt 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Kernbegriffe besagter Landwirtschaft 4.0 sind Landmanagement, Risikomanagement (zum Beispiel bei D\u00fcrren), intelligente Agrartechnik und Bewirtschaftung (Kl\u00e4rle 2018; Kuhn 2018; Lutz 2017; Schmidt 2018). Um wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben und die Ern\u00e4h\u00adrungswirtschaft in Deutschland halten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen diese technologischen Poten\u00adziale genutzt und vor allem von den beteiligten Menschen benutzt und verstanden, sprich akzeptiert werden (Bayerisches landwirtschaftliches Wochenblatt 2018; Reinecke 2015, 66).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich des Landmanagements liegen die M\u00f6glichkeiten vor allem in einer effizienteren und gerechteren Landnutzung durch Flurbereinigungsverfahren, die sich an Geodaten und Anspr\u00fcchen der Nutzer orientieren. Durch die Anwendung von KI lassen sich Fl\u00e4chen po\u00adtenziell schneller und gerechter sowie auf Bed\u00fcrfnisse abgestimmt verteilen. Kl\u00e4rle spricht hierbei von einem \u201eagilen Landmanagement&#8220; (Kl\u00e4rle 2018, 38), also einer weitestgehend selbstorganisierten Bodenordnung, in welcher Landwirte, Natursch\u00fctzer, Kommunen und ganz allgemein \u201eFl\u00e4chennutzer&#8220; zu Akteuren werden und \u201eFlurbereiniger&#8220; hintergr\u00fcndig im Rechtsbereich agieren. Am Beispiel der Flurbereinigung zeichnet sich ab, dass Eigentum zugunsten der Nutzung an Zentralit\u00e4t verliert, beweglicher wird und somit schnellere Re\u00adformen m\u00f6glich werden (ebd.).<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere M\u00f6glichkeiten, die durch Digitalisierung und KI entstehen, sind autonom fahrende Landmaschinen, die mit Steuerger\u00e4ten, Kameras, Radarsensoren und automatischen Systemen zur Lenkung per Satellitensignal ausgestattet sind. Auch erm\u00f6glicht der techni\u00adsche Fortschritt die Pr\u00e4zisionslandwirtschaft (,,Precision Farming&#8220;), mit der der Landwirt D\u00fcngung, Bew\u00e4sserung und Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung \u00fcber Sensortechnik, Geodaten, Drohneneinsatz, Satellitentechnik, loT und maschinelles Lernen exakter, einfacher und kosteng\u00fcnstiger steuern kann. Auch in der Viehhaltung kann solche Sensortechnik zum Einsatz kommen (Bayer 2018; Deutscher Bauernverband 2018; Lutz 2017, 435-439). <\/p>\n\n\n\n<p>Ein generelles Problem liegt in der Verf\u00fcgbarkeit der Daten sowie in der Frage, inwieweit diese \u00f6ffentlich sein k\u00f6nnen, da die Verf\u00fcgbarkeit nicht zur \u00dcberwachung der Landwirte f\u00fchren darf. Die Datenhoheit muss also bei den Landwirten liegen. Zudem soll Landwirt\u00adschaft 4.0 nicht von der Gr\u00f6\u00dfe der Betriebe abh\u00e4ngig sein, schreibt der Deutsche Bauern\u00adverband: ,,\u00dcber Maschinenringe, Lohnunternehmen und andere Formen der Zusammen\u00adarbeit seien grunds\u00e4tzlich alle Betriebe in der Lage, Nutzen aus der neuen Technikent\u00adwicklung zu ziehen und damit schnell \u00f6konomische, soziale und \u00f6kologische Fortschritte zu erzielen&#8220; (Deutscher Bauernverband 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser technische Fortschritt ist insofern von besonderer Bedeutung f\u00fcr das Land Rhein\u00adland-Pfalz, als dass der Anteil der Landwirtschaftsfl\u00e4che im gesamten Bundesland bei 41, 5 % liegt (42 % Wald, 14, 3 % Siedlungs- und Verkehrsfl\u00e4chen). Eine besondere Be\u00addeutung kommt hierbei dem Weinbau als wichtigstem Produktionszweig der rheinland\u00adpf\u00e4lzischen Landwirtschaft zu, da rund 44 % aller landwirtschaftlichen Betriebe im Land Rebfl\u00e4chen bewirtschaften. Als weiterhin bedeutsam gilt der Anbau weiterer Sonderkultu\u00adren wie etwa Gem\u00fcse (Gutachteraussch\u00fcsse RLP 2017). Dies trifft insbesondere f\u00fcr die Planungsregion Rheinpfalz zu, in deren Gebiet sich gleich zwei landwirtschaftlich bedeut\u00adsame Regionen, die \u201eDeutsche Weinstra\u00dfe&#8220; und der \u201eGem\u00fcsegarten Deutschlands&#8220; be\u00adfinden. 2007 wurden 42 % der Fl\u00e4che in der Region Rheinpfalz als Landwirtschaftsfl\u00e4che ausgezeichnet, darunter 25.000 ha f\u00fcr den Weinbau und 13.000 ha f\u00fcr Freilandgem\u00fcse. <\/p>\n\n\n\n<p>Beg\u00fcnstigt wird die Landwirtschaft in der Region durch das besondere Klima sowie die fl\u00e4chenhafte Beregnung, welche zu hohen Ertr\u00e4gen f\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Um den k\u00fcnftigen Herausforderungen im Bereich der Landwirtschaft zu begegnen, ist es somit unabdingbar, die M\u00f6glichkeiten neuer technologischer Entwicklungen (Landwirt\u00adschaft 4.0) zu nutzen und gleichzeitig das Potenzial der landwirtschaftlich genutzten R\u00e4ume f\u00fcr Naherholung und Tourismus zu erhalten. Denkbar w\u00e4re hier beispielsweise die partizipative Nutzung von Sensordaten der verschiedenen Anbaufl\u00e4\u00adchen, um Landwirten M\u00f6glichkeiten zur Pr\u00e4zisionslandwirtschaft zu bieten. Dar\u00fcber hin\u00adaus wird ein hohes Potenzial in genossenschaftlichen Organisationsformen wie Maschi\u00adnenringen gesehen, wie sie bereits heute existieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Potenziale im Bereich Gesundheit und Pflege am Beispiel der Planungsregion Rheinhessen-Nahe <\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/sharon-mccutcheon-tKnqkvFcmyM-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3967\" width=\"512\" height=\"342\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Unsplash)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Medizin und Pflege sind Felder, die gepr\u00e4gt sind von Mensch-Mensch-Interaktionen und deswegen soziale, normative und ethische Komponenten beinhalten, die bei der Digitali\u00adsierung und bei der Implementierung von KI beachtet werden m\u00fcssen. Da der pflegende und medizinische Bereich sehr vielf\u00e4ltig ist, sind es die Technologien ebenfalls. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Potenziale von KI liegen derzeit in der Diagnose, Prognostik und Pr\u00e4vention. KI findet vor allem in der Nutzung von Assistenzprogrammen Anwendung und soll \u201earztunterst\u00fct\u00adzend, nicht arztersetzend&#8220; sein (\u00c4rzteblatt.de 2017). Medizintechnik-Experten vermuten, dass 50 % der Kliniken in den kommenden f\u00fcnf Jahren k\u00fcnstliche Intelligenz implementie\u00adren werden (H\u00e4nssler 2018). Inzwischen belegen Studien den gro\u00dfen Nutzen intelligenter Systeme, die mit lernenden Softwarealgorithmen arbeiten, beispielsweise f\u00fcr bildgest\u00fctzte Diagnoseverfahren in der Gastroenterologie (softwaregest\u00fctzte Endoskopie) oder Radio\u00adlogie (verbesserte R\u00f6ntgen- und MRT-Aufnahmen), die den Auswertungsprozess be\u00adschleunigen und dem Arzt mehr Zeit f\u00fcr den Patientenkontakt erm\u00f6glichen. Bedingung hierf\u00fcr ist die Datenverf\u00fcgbarkeit, welche technische und ethische Schwierigkeiten birgt. Trainingsdatens\u00e4tze f\u00fcr Lernalgorithmen m\u00fcssen validiert sein, das hei\u00dft, die Lerndaten f\u00fcr die Algorithmen m\u00fcssen auf einer sicheren Diagnose, auf verl\u00e4sslichen Grundannah\u00admen und deutbaren Studien basieren, um zu sicheren Diagnosen f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Diese Daten existieren jedoch nur f\u00fcr h\u00e4ufig vorkommende Krankheitsbilder. Hinzu kommt das Problem des Datenschutzes. Einerseits besteht die Sorge, dass beim Datenaustausch zwischen Kliniken, Forschungseinrichtungen und Unternehmen Daten an unbefugte Dritte gelangen, andererseits w\u00fcrden Erkrankte von der KI &#8211; und somit von der Freigabe ihrer medizinischen Daten &#8211; profitieren. Krankenkassen z.B. haben gro\u00dfes Interesse an diesen Daten, k\u00f6nnten daraus m\u00f6gliche Risikogruppen ableiten und deren Beitr\u00e4ge erh\u00f6hen (\u00c4rz\u00adteblatt.de 2017; Gehring et al. 2018; Deckweiler 2015; H\u00e4nssler 2018; Jarasch et al. 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Telemedizin und Pflege soll durch das neue eHealth-Gesetz (Deckweiler 2015) erm\u00f6glicht werden, dass Videosprechstunden eine regul\u00e4re Leistung der gesetzli\u00adchen Krankenkassen sind. Durch den Einsatz mobiler Endger\u00e4te und neuer Software kann die Pflegedokumentation entb\u00fcrokratisiert werden. Im l\u00e4ndlichen Raum k\u00f6nnte durch per\u00ads\u00f6nliche Assistenzsysteme und Telemedizin die Versorgung von Patienten gew\u00e4hrleistet werden. Das Zur\u00fccklegen weiter Strecken wird f\u00fcr den Patienten reduziert und f\u00fcr Pflege\u00adpersonal optimiert. Durch Apps und Wearables, die Vitalfunktionen messen und speichern, sowie \u00fcber Sensoren im Haushalt soll die Autonomie von pflegebed\u00fcrftigen Menschen gest\u00e4rkt werden. In der mobilen Pflege werden sogenannte digitale Tourenbegleiter ein\u00adgesetzt, die mit der Pflegezentrale in Verbindung stehen. (Bleses et al. 2018, 1; Deckweiler 2015, 6; Lutze 2017; Lux et al. 2017, 687, 691; Rashidi und Mihailidis 2013; Simon et al. 2018, 299f; Ambient Assisted Living Deutschland). <\/p>\n\n\n\n<p>Schon jetzt steigt in der Gruppe der Senioren die Nachfrage nach Betreuungs- und Pflegeangeboten aufgrund der zunehmen\u00adden Pflegebed\u00fcrftigkeit und aufgrund der qualitativen Anspr\u00fcche an die Pflege. Die voran\u00adschreitende Aufl\u00f6sung von generationen\u00fcbergreifenden Familien und damit zusammen\u00adh\u00e4ngend der R\u00fcckgang der h\u00e4uslichen Pflege von Angeh\u00f6rigen verursacht eine deutliche Zunahme von Personen, die in \u00f6ffentlichen, karitativen oder privaten Einrichtungen zu be\u00adtreuen und zu pflegen sind. Ein Ausbau dieser Angebote sowie die Etablierung neuer Wohnformen stellt daher auch im l\u00e4ndlichen Raum eine Herausforderung f\u00fcr die Kommu\u00adnen dar (PRN 2007, 27).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Planungsregion Rheinhessen-Nahe zeigen Modellrechnungen zur Bev\u00f6lkerungs\u00adentwicklung, dass sich der Anteil der Hochbetagten (75 Jahre und \u00e4lter) fast verdreifachen wird. Ihnen werden nach diesem Modell dann lediglich 16,7 % der Bev\u00f6lkerung unter 20 Jahren gegen\u00fcberstehen. Gleichzeitig zeichnet sich die Region durch ihre vielen Kurorte und Salinen wie etwa in Bad M\u00fcnster am Stein und Bad Kreuznach als \u201eZentrum f\u00fcr Ge\u00adsundheit und Pflege&#8220; aus (PRN 2007). In der Rheinhessen-Nahe-Region gibt es derzeit 14 ambulante Altenbetreuungen und 18 Alten- und Pflegeheime, zudem ein medizinisches Zentrum und vier Kliniken, 63 allgemeinmedizinische Praxen, 56 Zahnarztpraxen und 38 fach\u00e4rztliche Praxen (PRN 2007, 26). Fraglich ist, ob mit dem Sinken der Bev\u00f6lkerungs\u00adzahlen vor allem im l\u00e4ndlichen Westen der Region der Schl\u00fcssel an Arztpraxen erhalten bleiben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>AmbientAssisted Living (ML) und Telemedizin k\u00f6nnen aber gerade im l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Westen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Pflege und medizinischen Versorgung bieten, wenn sie ausgebaut und vor allem angenommen werden. Innovationsprognosen aus Medizin und Pflege, vor allem im Bereich der KI, lassen vermuten, dass einige Krank\u00adheiten wie Diabetes Typ 2 besser zu behandeln sein k\u00f6nnen oder gar verhindert werden k\u00f6nnen. Mit dem Ansteigen der Zahl an \u00e4lteren und pflegebed\u00fcrftigen Menschen gilt es generell, neue Wohn- und Pflegekonzepte zu f\u00f6rdern, die medizinisch ausgestattet sind und soziale Teilhabe garantieren. Daf\u00fcr ist es notwendig, die Technikakzeptanz zu f\u00f6rdern und Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten. In der Pflege muss die Aufmerksamkeit auf das Pflege\u00adpersonal gelegt werden, da die Digitalisierungsprozesse momentan im Gro\u00dfen und Gan\u00adzen der Unternehmensorganisation dienen, was zu einer Mehrbelastung des Pflegeper\u00adsonal f\u00fchrt. Dieses Arbeitsfeld muss angesichts der Bev\u00f6lkerungsentwicklung attraktiver und fairer gestaltet werden (Simon et al. 2018, 303ff).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Potenziale im Bereich Ehrenamt am Beispiel der Planungsregion Mittelrhein-Westerwald <\/h2>\n\n\n\n<p>In seiner Rede zur Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zum Tag des Ehrenamtes 2012 nannte der damalige Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck freiwil\u00adliges Engagement von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern nicht blo\u00df ein \u201enettes Plus, [sondern] un\u00adverzichtbarer Bestandteil unserer B\u00fcrgerkultur&#8220; (Bundespr\u00e4sidialamt 2012). Auch der Deutsche St\u00e4dtetag ist sich einig, dass ohne das Ehrenamt das Gemeinwesen und zahl\u00adreiche Angebote in den Kommunen in ihrer jetzigen Form nicht denkbar w\u00e4ren (Deutscher St\u00e4dtetag 2006). Diese Betrachtung l\u00e4sst sich im Wesentlichen darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass freiwillig Engagierte in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen des sozialen Lebens we\u00adsentliche Funktionen \u00fcbernehmen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/vince-fleming-aZVpxRydiJk-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3968\" width=\"512\" height=\"342\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Unsplash)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sei es in der Pflege und der sozialen Betreuung, in der Bildung und im beruflichen Kontext, im Tier-, Umwelt- und Katastrophenschutz oder im Freizeitbereich wie etwa in Sportvereinen. Fakt ist: Ohne die vielen freiwillig engagierten Helfer w\u00e4ren einige dieser Dienste und Leistungen nicht realisierbar, wodurch dem Ehren\u00adamt eine tragende Rolle f\u00fcr die zivilgesellschaftliche Ordnung zukommt (Redmann 2018). <\/p>\n\n\n\n<p>Herausforderungen f\u00fcr dieses Konzept bestehen insofern, dass durch den gesellschaftli\u00adchen und demografischen Wandel eine fl\u00e4chendeckende Sicherung solcher Angebote und Dienstleistungen k\u00fcnftig nicht mehr gew\u00e4hrleistet werden kann. So geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass die Bev\u00f6lkerung Deutschlands bis zum Jahr 2050 von ca. 82 Mio. auf ca. 76 Mio. sinken wird, wobei die l\u00e4ndlichen Regionen besonders vom Bev\u00f6lke\u00adrungsr\u00fcckgang betroffen sein werden. Auch wird eine Ver\u00e4nderung der Altersstruktur in der Bev\u00f6lkerung zu beobachten sein: So wird der Anteil der unter 20-J\u00e4hrigen auf 16,2 % sinken, w\u00e4hrend der Anteil der \u00fcber 60-J\u00e4hrigen auf 37 ,6 % ansteigen wird (Statistisches Bundesamt 2015b). Ein erh\u00f6hter Bedarf vor allem in den Bereichen Soziales, Pflege und Gesundheit, aber auch in der Politik, im Katastrophenschutz, in der Freizeit und Kultur wird die Folge sein (Redmann 2018). Jedoch wird dieser in seiner jetzigen Form durch einen R\u00fcckgang der (k\u00f6rperlich) belastbaren Bev\u00f6lkerungsschichten nicht mehr zu decken sein wird. Es wird somit zunehmend problematisch werden, tragende ehrenamtliche Positionen zu besetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Chancen, um diesen Herausforderungen zu begegnen, werden auch hier in der Digitali\u00adsierung und der Anwendung intelligenter Systeme gesehen. Die neuen Techniken erm\u00f6g\u00adlichen es, menschliche, oft einfache T\u00e4tigkeiten durch den Einsatz von Maschinen und Robotern zu ersetzen (Redmann 2018), was beispielsweise im Bereich des Katastrophen\u00adschutzes von zunehmender Bedeutung sein wird. Auch die ehrenamtliche Gesundheits\u00advorsorge und Pflege kann auf zahlreiche L\u00f6sungsans\u00e4tze bauen, welche der technische Fortschritt erm\u00f6glicht. Ebenso werden freiwillig organisierte Bildungsangebote (durch die digital erm\u00f6glichte Dezentralit\u00e4t) die kommenden Herausforde\u00adrungen des demografischen Wandels abmildern, sodass die Technik zielgerichtet und sinnvoll Anwendung findet. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem ver\u00e4ndern sich durch die digitale Technik das Bezie\u00adhungsverhalten, die Kommunikationswege und damit nicht zuletzt Organisationsstruktu\u00adren selbst, da Menschen sich vernetzen und kommunizieren k\u00f6nnen, ohne dabei am glei\u00adchen Ort sein zu m\u00fcssen. Um diesen Ver\u00e4nderungen begegnen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen vor allem traditionelle ehrenamtliche Institutionen Engagierte, die ihre Organisation und ihr individuelles Engagement innovativ an die Zukunft anpassen, Ver\u00e4nderungen aufge\u00adschlossen begegnen und sich miteinander vernetzen und verbinden (Redmann 2018). <\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Bedeutung kommt dem Ehrenamt innerhalb der Planungsregion Mittel\u00adrhein-Westerwald deswegen zu, da diese die fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Region innerhalb von Rheinland-Pfalz darstellt, welche zudem k\u00fcnftig von relativ starken Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckg\u00e4n\u00adgen gekennzeichnet sein wird und \u00fcber ausgepr\u00e4gte l\u00e4ndliche R\u00e4ume verf\u00fcgt, wodurch die Auswirkungen des demografischen Wandels hier besonders sp\u00fcrbar sein werden. Aber auch in den st\u00e4dtischen R\u00e4umen entlang des oberen Mittelrheintals wird das Ehrenamt vor neuen Herausforderungen stehen, da nicht zuletzt eine der Visio\u00adnen f\u00fcr ein Zukunftsbild des Oberen Mittelrheintals im Rahmen des \u201eMasterplans Welterbe Oberes Mittelrheintal&#8220; darin besteht, dass das Welterbe-Gebiet sich attraktiver und mit re\u00adgionaler Identit\u00e4t darstellt, wof\u00fcr verst\u00e4rktes ehrenamtliches Engagement entwickelt wer\u00adden soll (MWKEL 2014).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ergibt sich somit das Bild einer prek\u00e4ren Lage im Spannungsfeld zwischen erh\u00f6hter Nachfrage an ehrenamtlichem Engagement und gleichzeitigem R\u00fcckgang des Angebots. Will man dieser Herausforderung begegnen, um die auf dem Ehrenamt gest\u00fctzten Ange\u00adbote zu sichern, m\u00fcssen neue Formen der Organisation etabliert werden, welche durch den technischen Fortschritt beg\u00fcnstigt werden k\u00f6nnen. So ist beispielsweise vorstellbar, dass ehrenamtlich organisierte Institutionen der Daseinsvorsorge wie etwa die freiwillige Feuerwehr gerade im l\u00e4ndlichen Raum gr\u00f6\u00dfere Gebiete abdecken, daf\u00fcr aber durch um\u00adfangreiche technische Hilfsmittel wie etwa Drohnen, eine bessere Sensorik zur Katastro\u00adphenfr\u00fcherkennung, L\u00f6sch- und R\u00e4umroboter etc. unterst\u00fctzt werden, um dem gr\u00f6\u00dferen Abdeckungsbereich und dem schwindenden Personal mit mehr Effizienz zu begegnen. Notwendig sind hierf\u00fcr jedoch vor allem Investitionen in die entsprechende Infrastruktur und eine klare Zuordnung der entsprechenden Verantwortlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Potenziale im Bereich Tourismus am Beispiel der Planungsregion Trier <\/h2>\n\n\n\n<p>Der Tourismus als Wirtschaftsbranche wird bereits seit langer Zeit als Informationsge\u00adsch\u00e4ft wahrgenommen (Schertler 1994). Entsprechend nutzte die Tourismusbranche seit jeher schon fr\u00fch und zeitnah die jeweils verf\u00fcgbaren technologischen M\u00f6glichkeiten wie etwa Telegrafie, Telefon, Telefax und das Internet, um ben\u00f6tigte Informationen bereitzu\u00adstellen (Sieger und Beritelli 2018). Entsprechend ist zu erwarten, dass auch Digitalisierung und KI deutliche Spuren in der Art und Weise hinterlassen werden, wie und wohin Men\u00adschen k\u00fcnftig reisen, welche Angebote zur Verf\u00fcgung stehen werden und wie Kunden und Anbieter in Kommunikation treten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_2884-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3969\" width=\"512\" height=\"384\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Schwarze)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich solcher Zukunftsprognosen zeichnen Experten der Branche zwei polarisierende Bilder. Einerseits wird die Zukunft in KI-Anwendungen gesehen, welche untereinander op\u00adtimale und individualisierte Angebote aushandeln, Testbesuche mittels virtueller Realit\u00e4t erm\u00f6glichen, autonome Fahrzeuge zur Erweiterung der Mobilit\u00e4t und des Erlebnisraums steuern und Roboter als Dienstleister erm\u00f6glichen (Weiler 2017). Andererseits wird zu\u00adgleich eine Zunahme von &#8222;Slow Travel und Nachhaltigem Tourismus, Spiritualit\u00e4t und Ret\u00adropie, Charity-Reisen und Volunteer Tourism, Digital Detox und Dark Sky Destinations&#8220; (Leicher 2018) erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei m\u00fcssen sich diese beiden Szenarien keinesfalls ausschlie\u00dfen, sondern sind viel\u00admehr erg\u00e4nzend zu verstehen. So kann die Technologie beispielsweise dabei helfen, Rei\u00adseziele durch neue Angebote interessanter oder Geschichte durch Augmented Reality o\u00adder Virtual Reality erlebbarer zu machen. Bereits heute werden (virtuelle) Nachbauten von einem breiten Publikum akzeptiert und teilweise sogar als sch\u00f6ner, sauberer und sicherer als die jeweiligen Originale empfunden (Leicher 2018). Das Virtuelle kann das Analoge somit sinnvoll erg\u00e4nzen oder gar ersetzen, wenn Zeit bzw. Geld f\u00fcr &#8218;echte&#8216; Reisen knapp wird oder wenn Reisende aus anderen Gr\u00fcnden nicht reisen k\u00f6nnen oder wollen (Weiler 2017). Mit Google Arts &amp; Culture werden bereits \u00fcber 200 Exkursionen wie etwa zur Chi\u00adnesischen Mauer oder zum Louvre angeboten; parallel hierzu wird an &#8218;Google Vision&#8216;, ei\u00adner Augmented Reality App, sowie an &#8218;Google Trips&#8216;, einer Reise-App gearbeitet, welche durch Deep Learning die &#8218;Customer Journey&#8216; einfacher, kundenfreundlicher und individu\u00adalisierter machen sollen (Heckmann 2017).<\/p>\n\n\n\n<p>So wird die Digitalisierung die Qualit\u00e4t der Produkte in jedem Fall ver\u00e4ndern, gerade dann, wenn Teile der Interaktion zwischen Kunden und Anbietern entfallen (Serviceroboter, On\u00adline Check-in etc.). F\u00fcr ein bestimmtes Segment von Kunden sind solche Ver\u00e4nderungen sicherlich w\u00fcnschenswert, w\u00e4hrend andere Segmente weiterhin die menschliche Interak\u00adtion bevorzugen werden, weshalb die Tourismusbranche bei der Planung von tragf\u00e4higen Zukunftskonzepten die Wirkung auf die Positionierung und den wahrgenommenen Kun\u00addennutzen in jedem Fall ber\u00fccksichtigen muss (Beiz und Sieger 2006; Sieger und Beritelli 2018). <\/p>\n\n\n\n<p>Diesbez\u00fcglich gilt es demnach zu ber\u00fccksichtigen, dass Reisende mit zunehmender Digi\u00adtalisierung auch immer mehr das \u201eoffline Sein&#8220; in ihre Reisepl\u00e4ne integrieren und dass ein zunehmendes Bed\u00fcrfnis nach Heimat, Lokalit\u00e4t, \u00dcberschaubarkeit, Entschleunigung und Gesundheit zu beobachten ist (Leicher 2018). Regionaltypische Elemente wie K\u00fcche, Un\u00adterkunftsform, Bauweisen und Materialien tragen zur Identit\u00e4tsbildung und Differenzierung bei und werden zum Positionierungsmerkmal (Pfl\u00fcger et al. 2015). Auch gibt es bereits Hotels, welche sich durch den Verzicht auf Technik auszeichnen und in welchen Reisende beispielsweise f\u00fcr die Dauer ihres Aufenthaltes ihr Smartphone abgeben (Digital Detox). Damit einhergehend werden zunehmend sogenannte \u201eLichtschutzgebiete&#8220; (In Deutsch\u00adland: Sternenparks) ausgewiesen, in welchen die \u201eLichtverschmutzung&#8220; nachts auf ein Mi\u00adnimum reduziert wird (Leicher 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen Entwicklungen existieren in der Tourismusbranche jedoch auch Trends, auf welche diese nicht steuernd eingreifen kann und welche insbesondere Auswirkungen auf Reiseziele im Inland haben werden. Eine davon ist der demografische Wandel, denn ge\u00adgenw\u00e4rtig ist die H\u00e4lfte der deutschen Touristen 50 Jahre und \u00e4lter. Davon verbringt gut ein Drittel seinen Urlaub im Inland, Tendenz steigend (RKW 2011 ). Die Generation der Babyboomer wird in den n\u00e4chsten 10 bis 15 Jahren in Rente gehen, Experten gehen da\u00advon aus, dass diese Senioren mehr Zeit und somit auch mehr Zeit f\u00fcr Reisen zur Verf\u00fc\u00adgung haben und k\u00fcnftig mit entsprechenden seniorengerechten Angeboten umworben werden (Leicher 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Trend bzw. genauer gesagt eine Entwicklung, welche die Tourismusbranche vor gro\u00dfe unternehmerische Herausforderungen stellen wird, ist der Klimawandel (Opa\u00adschowski 2008). Er wird vor allem Touristenziele treffen, welche an attraktive Naturland\u00adschaften gekn\u00fcpft sind. Bekannte Orte am Mittelmeer werden im Sommer zu hei\u00df und trocken werden; andere, weiter n\u00f6rdlich gelegene Orte werden ihren Platz einnehmen (Joly 2012). Touristisch betrachtet wird diese Entwicklung Deutschland zugutekommen, da die Naturlandschaften zwischen den Mittelgebirgen und den Alpen auch in Zukunft f\u00fcr die Freizeit- und Tourismusnutzung attraktiv bleiben werden (Leicher 2018). Ein weiterer Trend kann der Raumentwicklung in Deutschland, vor allem den l\u00e4ndlichen R\u00e4umen zu\u00adgutekommen, so dieser sinnvoll angegangen wird: Immer mehr Menschen werden k\u00fcnftig in St\u00e4dten leben und auf dem Land Erholung suchen (Gladwin 2012; Roth und Schwark 2017).<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieses gezeichneten Bildes kommt dem Tourismus dahingehend eine beson\u00addere Bedeutung innerhalb der Planungsregion Trier zu, als dass sich hier eine Vielzahl der zuvor gezeichneten Szenen wiederfinden. Die Stadt Trier (sowie das engere Umland) ist hoch urbanisiert, der sonstige Raum innerhalb der Region ist jedoch stark l\u00e4ndlich gepr\u00e4gt und verf\u00fcgt \u00fcber eine Vielzahl von Naturr\u00e4umen, welche bereits jetzt touristisch stark ge\u00adnutzt werden. Die Naturr\u00e4ume der Eifel und des Hunsr\u00fcck bieten sich f\u00fcr die Naherholung und den Wandertourismus an; der Nationalpark Eifel ist bereits als Sternenpark ausge\u00adzeichnet. Die Mosel ist ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel, was sowohl den angrenzenden Naturraum als auch den Flusstourismus (Flusskreuzfahrten) betrifft. Die Hanglagen der Mosel sind zudem ein traditionelles Weinbaugebiet und der Weintourismus ist bereits heute relevant f\u00fcr die Region. Zuletzt finden sich in und um Trier zahlreiche antike Bau\u00adwerke der R\u00f6mer, welche ebenfalls eine Gro\u00dfzahl von Touristen anlocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorstellbar f\u00fcr die Planungsregion Trier ist demnach eine Erweiterung touristischer Ange\u00adbote mit den Schwerpunkten Naturerlebnis, Wellness, Gesundheit und Digital Detox in den Naturr\u00e4umen der Eifel, des Hunsr\u00fcck und entlang der Mosel. \u00c4hnliches ist f\u00fcr touristische Ziele zu erwarten, welche historische Sehensw\u00fcrdigkeiten erlebbar machen. So k\u00f6nnten Touristen k\u00fcnftig beispielsweise mittels einer speziellen Augmented Reality App die Porta Nigra, das Amphitheater, die Thermen etc. besichtigen und zwischen der Ansicht von heute und der Ansicht einer digitalen Rekonstruktion der Bauwerke wechseln. Sogar in\u00adteraktive Stadtf\u00fchrungen, z.B. durch einen r\u00f6mischen Statthalter, werden so erm\u00f6glicht. Begleitet werden solche Angebote durch Informationssysteme wie \u00dcbersetzungspro\u00adgramme f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen, welche k\u00fcnftig ihre Urlaube verst\u00e4rkt im klimabeg\u00fcns\u00adtigten Rheinland-Pfalz erleben. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Potenziale im Bereich Mobilit\u00e4t am Beispiel der Planungsregion Westpfalz <\/h2>\n\n\n\n<p>Digitalisierung und K\u00fcnstliche Intelligenz versprechen im Bereich Mobilit\u00e4t sinnvolle L\u00f6\u00adsungen und Vereinfachungen von Prozessen durch intelligente Auswertung von Mobili\u00adt\u00e4tsdaten. Hinzu kommen Innovationen in den Bereichen Sensor- und Navigationstechno\u00adlogie, die Vernetzung von Lebensr\u00e4umen durch das loT und zunehmend das loS (Internet of Services). Vermehrt wird auf den Einsatz von Augmented Reality und Visualisierungs\u00adtechniken gesetzt, wie etwa die simulierte tageshelle Stra\u00dfenf\u00fchrung in der Nacht. Hierbei suchen Unternehmen und Beh\u00f6rden Wege zur intelligenten Vernetzung aller Beteiligten, lokal bis international, sodass auch das (teil-)autonome Fahren in greifbare N\u00e4he r\u00fcckt (Arndt 2018; Bauer et al. 2018; Fl\u00fcgge 2016).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_3995-473x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3970\" width=\"355\" height=\"768\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Schwarze)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zukunftsszenarien im Bereich Mobilit\u00e4t besch\u00e4ftigen sich neben dem autonomen Fahren und alternativen Antriebstechnologien h\u00e4ufig auch mit der Shared Economy bzw. Shared Mobility. Die Shared Economy, also die gemeinsame Nutzung eines Wirtschaftsgutes wie etwa eines privaten Kraftfahrzeugs, wird prognostisch ein hohes Wachstum erfahren, was die Wertigkeit von Besitz und Nutzung verschieben und die lnfrastrukturnutzung reduzie\u00adren wird. Neben dem jetzt schon genutzten Car-Sharing wird \u00fcber weitere Transport- und Bef\u00f6rderungsallianzen reflektiert, beispielsweise die Fusion von Nahverkehr und Paket\u00addienst in unregelm\u00e4\u00dfig frequentierten R\u00e4umen (Fl\u00fcgge 2016, 1ff; 8). Hieran angelehnt finden sich auch bedarfsorientierte, digital gest\u00fctzte Konzepte f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nah\u00adverkehr, die ohne feste Haltestellen und Fahrpl\u00e4ne auskommen und sich an die individu\u00adellen Anspr\u00fcche der Nutzer anpassen (Kl\u00f6tzke 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist die Aufrechterhaltung des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs gerade im l\u00e4ndlichen Raum eine \u00f6konomische Herausforderung f\u00fcr viele Kommunen und Gemeinden. Chancen liegen zum Beispiel in Advanced Rural Transportation Systems (ARTS), die Daten \u00fcber Ver\u00adkehrsaufkommen, Verkehrsverhalten sowie Typisierung und Anzahl von Verkehrsmitteln erfassen, sammeln und auswerten, um Prognosen stellen zu k\u00f6nnen. Dazu k\u00f6nnen, bei Zustimmung, die Smartphones der Verkehrsteilnehmer zur Ableitung von Bewegungs\u00admustern genutzt werden. Es braucht allerdings Empfehlungs- und Entscheidungsparame\u00adter und darauf aufbauende Betriebsprozesse, die dann auch tats\u00e4chlich zu einer Umset\u00adzung f\u00fchren. Die Auswertung alleine wird nicht ausreichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese neuen Mobilit\u00e4tskonzepte sind insbesondere f\u00fcr die Planungsregion Westpfalz re\u00adlevant, die durch dichte Waldgebiete (Pf\u00e4lzerwald) und ausgepr\u00e4gte H\u00fcgellandschaften (Nordpf\u00e4lzer Bergland) charakterisiert ist und sich \u00fcberwiegend als l\u00e4ndliche Region pr\u00e4\u00adsentiert, was Herausforderungen in der Nahversorgung und im Nahverkehr birgt. Die re\u00adlativ geringe Anzahl an Mittel- und Grundzentren verdeutlicht die allgemein d\u00fcnn besie\u00addelte Struktur der Region (PGW 2013), deren Bev\u00f6lkerung bis 2035 um 9,9 % zur\u00fcckge\u00adhen wird (B\u00f6ckmann et al. 2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Soll also die Nahversorgung und die Lebensqualit\u00e4t in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen wie der Region Westpfalz via Mobilit\u00e4t gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen zun\u00e4chst Verkehrsverhal\u00adten, genutzte Verkehrsmittel und sinnvolle Wertsch\u00f6pfungsketten eruiert werden. Denkbar ist somit, dass k\u00fcnftig im Sinne der Shared Economy z.B. Fahrten des \u00f6ffentlichen Nah\u00adverkehrs und Lieferungen von Transportdiensten kombiniert werden, damit eine Versor\u00adgung niedrigfrequentierter Orte effizient gew\u00e4hrleistet werden kann. oder dass sich der Personennahverkehr k\u00fcnftig mittels autonomer Sharing-Taxis durch den Pf\u00e4lzer Wald be\u00adwegt. Auch k\u00f6nnten, wie in den Digitalen D\u00f6rfern, \u00fcber BestellBar, LieferBar und den Dorf\u00adfunk via App Fahr- und Einkaufsgemeinschaften gegr\u00fcndet werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\" style=\"padding-left: 45px; padding-right: 45px;\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-3841\" style=\"width: 150px; float:right; margin-left: 45px;\" src=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/KI-Studie-Titelseite.jpg\" alt=\"\"><\/a><em>Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der \u201eGutachterlichen Stellungnahme zu den Auswirkungen k\u00fcnstlicher Systeme und der Digitalisierung auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz 2050\u201c. Die gesamte Studie steht unter <a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/earlpdigital2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>ea-rlp.de\/earlpdigital2019<\/b><\/a> zum Download als <a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>PDF<\/b> (88 Seiten, 18 MB)<\/a> bereit.<\/em><br><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3915\"><b>Auszug 1<\/b> \u2013 K\u00fcnstliche Intelligenz: Konzepte und Technologien<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3913\"><b>Auszug 2<\/b> \u2013 F\u00fcnf Beispiele: Chancen durch KI in Landwirtschaft, Gesundheit, Ehrenamt, Tourismus und Mobilit\u00e4t in RLP<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/?p=3911\"><b>Auszug 3<\/b> \u2013 Szenarien f\u00fcr Rheinland-Pfalz: Zwischen Dystopie und Utopie<\/a><br>\n<br>\n<a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/earlpdigital2019\">Zusammenfassung<\/a><br><br>\n<div class=\"wp-block-file aligncenter\"><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\">Studie: Auswirkungen K\u00fcnstliche Systeme 2019<\/a><a href=\"https:\/\/ea-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Auswirkung_K\u00fcnstliche_Systeme_2019_Web.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo liegen die Potenziale von k\u00fcnstlicher Intelligenz und Digitalisierung mit besonderem Blick auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz? 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